Ultraleichte Bekleidung und Ausrüstung für Ultralight Trekking

Mountain Equipment Xero 200 – Der ultraleichte Daunenschlafsack im Praxistest

Leichte Daunenschlafsäcke gibt es zahlreich auf dem Markt und auch wir hatten mit dem X-Lite 200 bzw. Quilt 250 von Cumulus und dem Yeti VIB 150 bereits einige Schlafsäcke in der Vergangenheit auf unseren Touren im Praxistest. Nun war ein sehr interessanter Mountain Equipment Daunenschlafsack im Test, den wir Euch hier natürlich noch genauer vorstellen wollen.

Im Praxistest, ein ultraleichter Daunenschlafsack von Mountain Equipment

Im Praxistest, ein ultraleichter Daunenschlafsack von Mountain Equipment

Mountain Equipment Xero 200

Der Mountain Equipment Xero 200 passt nahtlos in die Reihe der bisherigen Schalfsacktests auf unserer Trekkingseite, denn mit seiner Daunenfüllung und -qualität ist der Xero 200 durchaus mit den zuvor genannten Schlafsäcke und Daunenquilts vergleichbar. Beim Thema „Daune“ ist inzwischen auch die Daunenherkunft entscheidend, markantes Stichwort hierbei ist der Mountain Equipment Down Codex, dem wir uns zuvor schon auf OutdoorBlogNews in allgemeiner Form gewidmet haben. Im Xero 200 greifen die Engländer zu 200g ukrainische Gänsedaune mit 850 Cuin Bauschkraft  im Verhältnis 93/7 (Daune/Feder).

Mountain Equipment Xero 200 unterm Tarp im Einsatz

Mountain Equipment Xero 200 unterm Tarp im Einsatz

Verteilt ist die Daune in sogenannten Box Wall Kammern. Die senkrechten Trennwände sind die einfachste Methode, um Daunenkammern zu konstruieren, in denen das Futter nicht verrutschen kann. Mit der Kammerkonstruktion wird das ohnehin leichte Materialgewicht auf ein Minimum reduziert. Die Kammerhöhe wird in der Regel an die enthaltene Daunenmenge angepasst, um so die Bauschkraft zu optimieren und so die Warmhaltekraft zu erhalten. Mit Blick auf die Nähte gibt es bei Mountain Equipment eine Besonderheit, die Ground Level-Nähte zu entdecken. Anders als die typischen Seitennähte sind diese beim Xero 200  an der Längsseite des Schlafsacks weiter nach unten Richtung Boden versetzt. Durch diesen „Trick“ umhüllen die Kammern an der Oberseite den Körper fast vollständig. Verbessern konnte man dadurch die Wärmeeffizienz des Schlafsack gegenüber der klassischen Methode.

Interessant sind die Nähte aber auch durch die EXL® Technologie, wo Mountain Equipment durch zahlreiche Tests belegen konnte, dass mit EXL® Schlafsäcke „wärmer“ als ohne diese Technik sind. EXL® erweitert z.B. den Temperaturbereich um 2°C durch elastische Nähte, die zu einer höheren Wärmeleistung bei tragen. Das Material liegt näher an den Körper an und vermindert somit unnötige Lufträume. Die Daune in den Box Wall Kammern erhält dadurch noch mehr Platz für maximalen Loft. Unterm Strich wieder eine höhere Wärmeleistung.

Das Fußteil vom Mountain Equipment Schlafsack ist nach eigener Beschreibung ein Trapezium 4, d.h. aus vier Kammern besteht die Konstruktion, wobei auch hier wieder am optimalem Verhältnis aus Gewicht und Komprimierbarkeit gearbeitet wurde.  Das Bulls-Eye Fußteil am Xero 200 im anatomischen Shark-Toe Schnitt sitzt wie ein Korken im Fußende und minimiert Kältebrücken.

Nun hat man bereits die Wärmeleistung angesprochen, den jeweiligen Temperaturbereich hat man jedoch noch nicht genannt. Extrem wäre es bei -13°c /9°F, am Limit laut Schlafsackangaben im Innern bei 2°c / 36°F und komfortabel bei 6°c / 43°F. So weit zumindestens die wissenschaftlichen Vergleichswerte nach DIN, wobei die eigenen Herstellerangaben bzw. -erfahrungswerte natürlich stets abweichen. Mountain Equipment gibt abweichend der DIN-Werte als „Good Nights Sleep“ die 0°c / 32°F an.

Temperaturbereich beim Mountain Equipment Daunenschlafsack und zugleich ein Blick auf die Abdeckleiste

Temperaturbereich beim Mountain Equipment Daunenschlafsack und zugleich ein Blick auf die Abdeckleiste

Im Test hatten wir den „Regular“ vom Xero 200, der laut Hersteller bis zu einer max. Körpergröße von 185cm / 73″ geeignet wäre. Überraschenderweise hat man nun selbst eine Größe deutlich höher der max. Körpergröße und fühlte sich im Gegensatz zum Cumulus X-Lite 200 nicht zu groß im kleinen Schlafsack. Die 1,91 m waren weder im eigentlichen Schlafsack zu lang, noch im Kopfbereich zu viel, insofern kann man Euch nur zum „Probeliegen“ im Handel animieren, denn wer als Grammjäger tourt wird wohl auch gern auf die unnötigen Gramm der „X-Large“ Variante verzichten. Wenn dann nicht die Gramm entscheidend sind, dann sicherlich der höhere Kaufpreis. Im Shop der Bergfreunde würde die X-Large Variante des Xero 200 z.B. 329,95 € kosten, die „Regular“ gibt Mountain Equipment hingegen mit UVP 299,90 € an. Schön wenn man sich dann auch diese Euro sparen kann.

He30 Außenhülle beim Xero 200

He30 Außenhülle beim Xero 200

Auch wenn man beim Schlafen unterm Tarp eher noch zum Biwaksack greifen würde, bietet die Außenhülle vom Schlafsack die ein oder andere Besonderheit, die eben auch ein zusätzlicher Biwaksack bieten würde. Die HE30 Fabric kennen wir bereits im Bereich der Daunenjacken. Es ist ein exklusives Material von Mountain Equiment, das sehr leicht, wind- und daunendicht, reißfest, wasserabweisend und sehr atmungsaktiv ist. Getestet haben wir den Schlafsack sowohl auf Tour im Zelt bzw. unterm Tarp, dort aber zur Sicherheit mit einem wasserdichten Biwaksack und auch in vertrauter Umgebung ohne Bivi. Der Schlafsack bot in Testnächten ohne wasserabweisenden Bivy die gleichen Vorteile durch das Material, wie z.B. ein RAB Ultra Bivy, der ebenfalls nur ein wasserabweisendes Material besitzt.

Wasserabweisendes Material wie bei den meisten Biwaksäcke

Wasserabweisendes Material wie bei den meisten Biwaksäcke

Das dünne He30 Shell fördert das mit 16cm x 23cm / 6″ x 9″ sehr kleine Packmaß des Xero 200 und überzeugt uns vorallem nicht nur durch die Größe, sondern vorallem dadurch, dass Mountain Equipment nicht einen 08/15 Packsack im Lieferumfang präsentiert. Erstmalig gibt es einen wasserdichten Packsack mit klassischen Rollverschluss. Der wasserdichte Packsack wiegt wiederum 44 g extra zum 635 g leichten „Regular“ bzw. 710 g  schweren „X-Large“.

Rollverschluss am Packsack

Rollverschluss am Packsack

Fazit

Der Cumulus X-Lite 200 war bislang immer unsere erste Wahl bei ultraleicht Touren, bot jedoch auch seine Nachteile im Bereich der Größe bzw. durch seinen fehlenden RV. Mit dem Mountain Equipment Xero 200 haben wir nun einen in den Punkten deutlich besseren Schlafsack in der Hand, denn wie bereits zuvor geschrieben, so ist das Schlafgefühl trotz der höheren Körpergröße im „Regular“ nicht beeinträchtigt und auch der kompfortable Einstieg sind ein Pluspunkt. Ein weiterer Pluspunkt ist der Packsack mit Rollverschluss, der vielleicht für den ein oder anderen von Euch zwar noch etwas schwer ist, aber werten wir die Tatsache, dass überhaupt ein Hersteller zum Rollverschluss greift als „Innovation“ die man nun weiter verfolgen und (im Gewicht) verbessern sollte.

Mountain Equipment Xero 200

Mountain Equipment Xero 200

Nimmt man darüber hinaus die Konstruktion und Technologien der bisher getesteten Schlafsäcke, so gefällt uns am Xero 200 vorallem auch die Tatsache, dass man hier keine durchgesteppten Nähte, sondern richtige Boxen vorfindet. Desweiteren ist der nun vorhandene Wärmerückhalt, bestehend aus zwei überlappenden Abdeckleisten mit Einklemmschutz am Reißverschluss und ein vollständiger Wärmekragen, lobenswert zu erwähnen. Das von ME genannte Gemini System hält die Wärme am wirksamsten im Schlafsack und verhindert somit Wärmeverlust durch die einzige Öffnung am Kopf. Ein Punkt, den man auch schon mal desöfteren bei diesen eher als Sommerschlafsack gehandelten Schlafsäcken vermisst hat.

Lediglich die Farbe ist im Einsatz unterm freien Himmel arg grenzwertig. Weniger das „gesehen werden“ von Menschen, sondern eher die Einladung an Insekten sehen wir bei dem Schlafsack als nicht gelungen an. Nimmt man nun mal den Einsatz auf einer Wiese als Beispiel, so breitet man erst durch die gelbe Exped Isomatte eine riesige Blume aus und im Anschluss auch noch den gelben Schlafsack. Für Insekten muss dies wohl wie ein Sonntagsbraten wirken, denn in recht kurzer Zeit tummeln sich daher direkt die ersten Insekten auf dem Stoff, was einem bei dezenteren Farben eben nicht passiert.

Unterm Strich ist der Mountain Equipment Xero 200 ein Schlafsack den wir vollkommen weiterempfehlen können. Als zu verbessernde Punkte wären für uns lediglich die Farbe und vielleicht noch ein leichterer Packsack interessant, ansonsten heißt es hier zum Biwaksack greifen bzw. den vorhandenen Packsack durch einen von Sea to Summit zu ersetzen.

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Der Artikel wurde uns vom Hersteller oder Shop zu Testzwecken und zur Produktvorstellung zur Verfügung gestellt. Unsere Meinungen & Bewertungen sind jedoch unabhängig von Samples oder Vorgaben irgendeiner Art.
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About the Author

Seit gut 10 Jahren stets ultraleicht auf Tour im hohen Norden und in Südeuropa. Auf Tour ist man selbst als Grammjäger unterwegs und greift dort gern aus Überzeugung zur leichten Ausrüstung und Bekleidung, wobei dies jedoch eher "gemäßigt" praktiziert wird. "Grenzwertige" Experimente im nicht minder interessanten "super-ultralight backpacking"-Bereich finden hingegen meist am Wochenende auf kurzen Touren statt. Das Ergebnis ist hoffentlich eine interessante Mischung aller Facetten des Leichtgewichtswandern auf Ultraleicht-Trekking.

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